“Les arbres aux racines profondes sont ceux qui montent haut.” In dieser Weise äusserte sich der französische Literaturnobelpreisträger Frédéric Mistral einst.
Ähnliches gilt in übertragenem Sinn auch für einen Läufer im winterlichen Aufbautraining. In den letzten Wochen lag mein Schwerpunkt genau auf dieser Grundsteinlegung im aeroben Bereich, mit dem Ziel, möglichst tiefe Wurzeln zu schlagen. Für fast vier Wochen hielt ich mich darum auf fast 2400 Meter über Meer im kenianischen Hochland auf und hatte dort die Möglichkeit, bei sommerlichen Temperaturen mit den weltweit besten Läufern zu trainieren. Obwohl das Training vor allem anfänglich sehr hart war, war es eine einzigartige Möglichkeit, neue Erfahrungen und Trainingsreize zu machen, beziehungsweise zu setzen. Das Leben in der ‚Stadt‘ Iten war einfach und bestand aus nicht viel mehr als trainieren, erholen, essen und schlafen. Der Ort an sich mauserte sich in den letzten Jahren immer mehr zum Mekka für Läufer aus aller Welt und so kam es, dass man beim Training nur selten alleine unterwegs war. Alles in Allem war es für mich eine vorzügliche Gelegenheit, der heimischen Kälte zu entfliehen und mich in neuer, wenngleich auch äusserst simplen Umgebung auf das Training zu fokussieren.
Bäume zum Zweiten: Am vergangen Sonntag wollte ich meine Form bei den Schweizerischen Cross Meisterschaften unter Beweis stellen. Diese fanden heuer in Näfels statt und die 10km lange Langcrossstrecke der Männer führte über nicht weniger als 50 Baumstämme, die es so gut als möglich zu überspringen galt. Es ging rasant los und der Favorit Philipp Bandi übernahm von Start an das Szepter. Anfänglich hielt ich mich zurück, kam dann aber immer mehr in Fahrt und begann ab 4km zu überholen. Am Ende resultierte für mich in 32 Minuten und 48 Sekunden der 8. Rang in einem hochkarätigen Feld, bei dem sicherlich ein Grossteil der Schweizer Elite am Start stand.
