Europameister!

Unglaublich, was am vergangenen Sonntag in Amsterdam passiert ist. Dank eines Husarenrittes von Tadesse Abraham, Julien Lyon und Adrian Lehmann gewannen wir Schweizer sensationell den Europameistertitel im Halbmarathon – lediglich 2 (!) Sekunden vor Spanien. Da alle Mitglieder der Mannschaft eine Goldmedaille erhielten, darf ich mich nun auch Team-Europameister im Halbmarathon nennen. Dieser Titel wurde nur dank dem sehr starken Auftritt von Julien Lyon möglich. Mit der schwächsten persönlichen Bestleistung aller Schweizer angereist, zeigte er eine tadellose Leistung, dank welcher sich unser Team in der Endabrechnung zuvorderst klassierte.

Mein persönlicher Auftritt in den Strassen Amsterdams war dagegen eher mässig. Von Anfang an hatte ich auf dem coupierten Rundkurs Mühe und kam nicht in Schwung. Am Ende resultierte der 67. Rang unter 92 Gestarteten und die Gewissheit, viel Grossanlasserfahrung geschnuppert zu haben. Trotzdem wird mir Amsterdam für immer in positiver Erinnerung bleiben – Europameister wird man eben nicht alle Tage!

Die Siegererhung findet sich hier:

http://www.srf.ch/play/tv/sportlive/video/halbmarathon-team-ist-europameister?id=9f4f55f5-2f75-4218-85f2-d7b7cbf9f5bd

Amsterdam 12

Bronze über 10’000m

An den Schweizermeisterschaften über 10’000m in Thun gelang mir ein gutes Rennen. Mit 29:56.66 lief ich am Samstagabend die zweitschnellste Zeit meiner Karriere. Die Bronzemedaille war der wohlverdiente Lohn für ein hartes Rennen über 25 Bahnrunden. Der ausser Konkurrenz laufende Portugiese Bruno Albuquerque gewann das Rennen vor Adrian Lehmann und Julien Lyon. Zusammen mit meinen Trainingspartnern reiste ich direkt von St. Moritz nach Thun, wo wir gute Bedingungen vorfanden. Im vorangehenden vierwöchigen Höhentrainingslager hatte ich zusammen mit Adrian Lehmann, Andreas Kempf, Michael Ott und Christian Kreienbühl sehr gut trainiert. Die Stimmung in der Gruppe war einzigartig und motivierte uns tagtäglich, auch bei regnerischem Wetter hart an uns zu arbeiten.

Thun 13

Auf dem Weg zur Bronzemedaille (Foto: Athletix.ch/Ulf Schiller)

Aller guten Dinge sind drei

Nach zwei erfolglosen Anläufen in Barcelona und Berlin gelang mir am vergangenen Samstag an den Deutschen Halbmarathon Meisterschaften endlich der lange erhoffte Befreiungsschlag. Mit 1:05:26 unterbot ich die geforderte Limite für die Europameisterschaften in Amsterdam und verbesserte damit meine persönliche Bestleistung um über eine Minute. Endlich konnte ich mein Leistungsvermögen im Wettkampf abrufen. Ich bin unendlich glücklich, die buchstäblich letzte Chance genutzt zu haben und freue mich auf meine ersten kontinentalen Titelkämpfe.

Der Weg zu dieser Qualifikation war allerdings ein langer und beschwerlicher. Besonders nach dem zweiten gescheiterten Angriff auf die Limite in Berlin zweifelte ich an meinen Fähigkeiten. Nur dank der unermüdlichen Unterstützung meines Umfelds liess ich mich dazu bewegen, einen dritten und letzten Versuch zu unternehmen. Ich wusste, dass ich schnell laufen kann und spätestens beim letzten Rennen innerhalb der Selektionsperiode konnte ich nur noch gewinnen. Dass es nun doch noch geklappt hat, ist eine absolut geniale Sache.

Schweizermeister

Nachdem ich mich vor drei Wochen kurz vor dem Halbmarathon in Barcelona erkältet hatte und deshalb meinen Erwartungen nicht gerecht werden konnte, startete ich gestern an der Cross Schweizermeisterschaft in Benken. Mein erster Crosslauf seit drei Jahren sollte eine eisige und kalte Angelegenheit werden. Trotzdem fühlte ich mich auf dem tiefen Boden wohl und hatte von Beginn weg ein sehr gutes Gefühl. Als ich nach etwa sechs Kilometer alleine an der Spitze lag, wusste ich, dass es zu meinem ersten Schweizermeistertitel reichen sollte. Auf einer selektiven Strecke lief ich die letzten Kilometer vorne weg und konnte nach 35 Minuten die Ziellinie überglücklich als Erster überqueren.

San Silvestre Vallecana 2015

Nach einem geglückten Start im Jahr 2014 bestritt ich auch an diesem Jahresende den hochkarätig besetzten Silvesterlauf in Madrid. Die Ambiance war erneut klasse, die Bedingungen bei etwa 10 Grad Celsius optimal und mit Mike Kigen, Ezekiel Kemboi und Evan Jager waren einige der weltweit besten Läufer am Start. Das Rennen über 10 Kilometer sollte mir meinen Formstand aufzeigen und Anhaltspunkte für die nächsten Trainingswochen liefern. Freilich war der Start in Madrid aber auch eine Motivationsspritze während des harten Wintertrainings. Zuvor war ich in Bulle und Genf zwei Stadtläufe gelaufen, die beide erfreulich verliefen.
Der Start in Madrid erfolgte abends um 19 Uhr 50. Nach einem schnellen ersten Kilometer fand ich in der dritten Gruppe meinen Platz. Vorne lief Kigen ein einsames Rennen, das er in 27:35 gewann; dahinter formte sich bald eine Verfolgergruppe mit den besten Spaniern. Die ersten drei Kilometer lief ich zusammen mit Jager, ehe er mich buchstäblich stehen liess und nach vorne stürmte. So lief ich die zweite Hälfte des Rennens vorwiegend alleine und kam nach 30 Minuten und 20 Sekunden erschöpft ins Ziel. Mit der Endzeit bin ich zufrieden, sie entspricht meiner schnellsten Zeit über 10 Kilometer Strasse. Damit erreichte ich in der Endabrechnung den guten 17. Rang. Der Fahrplan in Richtung Halbmarathon Europameisterschaft stimmt damit, obwohl noch einige Wochen mit harter Arbeit auf mich warten.

Madrid

Marathon vs. Marcel 1:0

Nach unzähligen Trainingskilometern und einer sehr erfreulich verlaufenen Vorbereitungsphase stand mit dem Berlin Marathon am vergangenen Sonntag der grosse Tag endlich vor der Tür. Die Atmosphäre am Start war grandios und im Vorfeld hatte ich allen Grund zur Zuversicht: Ich überstand das harte Training ohne Verletzung, konnte zwei gute Vorbereitungsrennen bestreiten und glaubte, im Besitz der physischen und psychischen Fähigkeiten zu sein, die 42.195 Kilometer erfolgreich durchzustehen. Mein Plan bestand darin, den Halbmarathon etwa vier Minuten über meiner Bestleistung anzulaufen. Das konnte ich perfekt umsetzen, bis 25 Kilometer fühlte ich mich hervorragend und war optimistisch, die perfekten Bedingungen zu nutzen. Doch schon bald danach fühlte sich mein Körper müde und abgekämpft an; eine Leere machte sich breit. Die Kraft, die Geschwindigkeit zu halten – oder geschweige denn schneller zu werden – war spätestens bei 30 Kilometern verflogen. Die letzte halbe Stunde wurde ganz lang und ich kämpfte mich schlussendlich in enttäuschenden 2h25 ins Ziel. Ein jedes Rennen bietet eine Fülle an Eindrücken, positiver wie negativer Art. Es fällt mir im Moment schwierig, die Gründe für das Scheitern auf der zweiten Streckenhälfte zu erkennen. Eine sorgfältige Analyse wird in den nächsten Tagen und Wochen erfolgen. Bis dann gilt: Ich bin froh, endlich einen Marathon fertig gelaufen zu haben und glaube, noch viel Luft nach oben zu haben. Ich bleibe sicher dran! Last but not least möchte ich mich ganz herzlich bei meinem Umfeld für die Unterstützung in den letzten Wochen und Monaten bedanken. Eine grosse Gratulation geht zudem an die sensationellen Leistungen in Berlin, allen voran an Maja Neuenschwander zum neuen Schweizer Rekord, an Christian Kreienbühl zur Olympia-Limite und an Adrian Lehmann zur neuen Bestleistung.

16. Rang am Great North Run

Mit dem 16. Rang am weltweit grössten Halbmarathon ist mir die Hauptprobe für den Berlin Marathon gelungen. Zwei Wochen vor dem Start über die 42.195 Kilometer konnte ich mit 1:06:29 beim Great North Run eine neue persönliche Bestleistung erzielen. Das Rennen begann ich in einer grossen Gruppe, die sich dann immer mehr verkleinerte, ehe ich auf den letzten fünf Kilometern gänzlich auf mich alleine gestellt war. Die Durchgangszeiten bei fünf und zehn Kilometern waren 15:34 und 31:31, womit ich mich auf der errechneten Zielpace befand. Als ich bei Rennhälfte Ryan Hall überholte, schnellte das Adrenalin zwischenzeitlich in die Höhe und ich musste mich zurückhalten. 15 Kilometer passierte ich nach 47:02. Bei 18 Kilometer gelang es mir, den australischen Olympioniken Collis Birmingham abzufangen, was mich beflügelte. Nichts desto trotz musste ich mich auf den letzten Metern extrem quälen, um meinen Lauf erfolgreich zu Ende zu bringen. Nun ist der grosse Teil der Arbeit vollbracht und ich blicke gelassen in Richtung Berlin.

Die ersten Meter des diesjährigen Great North Runs

Die ersten Meter des diesjährigen Great North Runs

Roma Ostia 2015

Beim IAAF Gold Label Halbmarathon in Rom gelang mir heute eine ansprechende Leistung: Mit genau 1h07:00 verlor ich sechs Sekunden auf meine persönliche Bestleistung, die ich vor zwei Jahren anlässlich des gleichen Rennens erzielte. Der leichte Gegenwind auf den letzten fünf Kilometern verhinderte ein besseres Abschneiden. Trotzdem darf ich zufrieden sein, auch auf der Halbmarathon-Distanz wieder auf einem vergleichbaren Niveau wie vor meinen zwei Ermüdungsbrüchen angelangt zu sein. Der Frühling kann kommen…

We Run Mad!

„We Run Mad“ – Mit diesem Motto wirbt einer der grössten Silvesterläufe der Welt um Teilnehmer und erfreut sich damit grosser Popularität. Die „San Silvestre Vallecana“ feierte dieses Jahr die 50. Austragung und war ein Lauffest der Superlative. Gegen 40’000 Teilnehmer liefen die zehn Kilometer durch die weihnachtlich geschmückten Strassen Madrids und wurden von einer lautstarken Zuschauermasse angefeuert.

Ich wurde dieses Jahr zum ersten Mal in die spanische Metropole eingeladen und nutzte diese Möglichkeit zu einer Formprüfung. Nach einem schwierigen Jahr mit zwei Stressreaktionen und einer Schleimbeutelentzündung im linken Knie befinde ich mich mittlerweile wieder auf dem Leistungsstand wie vor den Verletzungen. Das Wettkampfjahr 2013/2014 zeigte mir, dass es im Leistungssport nicht immer nur aufwärts gehen kann. Häufig bewegt man sich auf einem engen Grat, mit tiefen Tälern auf beiden Seiten. In Madrid konnte ich zeigen, dass sich meine Form immer besser entwickelt und die vielversprechenden Trainings der letzten Wochen bestätigten sich während des Laufes. Nach einem verhaltenen Start konnte ich insbesondere auf der zweiten Streckenhälfte Plätze gut machen und beendete das international sehr stark besetzte Rennen auf dem 21. Gesamtrang. Die Zeit von 30 Minuten und 40 Sekunden ist respektabel und stellt unter den vorherrschenden Bedingungen einen Schritt in die richtige Richtung dar. Wenn man bedenkt, dass ich aufgrund des starken Schneefalls in Zürich erst am Wettkampftag anreisen konnte, so schätze ich die Leistung in Madrid als gut ein. Ein Video von Marca.com gibt einen kurzen Einblick in die Ambiance, die am Silvesterabend in Madrid herrschte. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes neues Jahr!

Geplatzte Träume

Aufgrund einer hartnäckigen Schleimbeutelentzündung im linken Knie muss ich in diesem Frühjahr schweren Herzens auf einen Marathonstart verzichten. Damit verfällt meine letzte Chance, mich für das Marathon-Team anlässlich der Heim-EM in Zürich zu empfehlen. Der Entscheid eines Verzichts ist mir alles andere als leicht gefallen und schmerzt sehr. Trotzdem glaube ich, dass es die langfristig sinnvollste Entscheidung für den weiteren Verlauf meiner sportlichen Karriere ist. Über das letzte Jahr hatte die Marathonvorbereitung höchste Priorität in meinem Leben und ich habe alles versucht, den Traum von Zürich 2014 wahrzumachen. Dass man im Langstreckenlauf aber nichts erzwingen kann, muss ich im Moment schmerzhaft erfahren.