EM-Limite in Rotterdam

Nach gelungenen Vorbereitungswettkämpfen durfte ich letzte Woche voller Zuversicht nach Rotterdam reisen. Mein Trainer und ich kamen im Vornhinein zum Schluss, dass der dortige Marathon die besten Voraussetzungen bieten würde, um einen Angriff auf die EM-Limite von 2 h19:30 zu unternehmen. Mit Ausnahme von etwas warmen 14 bis 17 Grad gingen unsere Kalkulationen auf: Der Rotterdam Marathon bietet eine flache Strecke, die an einem beinahe windstillen Tag, wie am letzten Sonntag, schnelle Zeiten ermöglicht. Von Beginn an lief ich in einer grossen Gruppe mit. Diese zerfiel jedoch bei der Halbmarathon-Marke plötzlich; von da an war ich auf mich alleine gestellt. Auf der zweiten Streckenhälfte musste ich alles aus mir herausholen, ehe ich nach 2h19:19 völlig erschöpft das Ziel vor der Rotterdamer Stadthaus erreichte. Das bedeutete Rang 18 und eine klare neue persönliche Bestleistung. Viel wichtiger ist aber, dass ich damit die EM-Limite für die im kommenden Sommer anstehenden kontinentalen Titelkämpfe um 11 Sekunden unterbieten konnte.

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Beim Überqueren der Erasmusbrücke (Kilometer 27) ging es mir (noch) gut.

 

Vizeschweizermeister

Der Wettkampfeinstieg nach dem Trainingslager in Kenia gelang mir in den vergangenen Wochen sehr gut. Beim IAAF Gold Label Halbmarathon von Rom nach Ostia lief ich auf den 11. Rang in einer Zeit von 65:35. Da die Bedingungen mit Regen und Wind nicht top waren und ich beinahe das gesamte Rennen alleine laufen musste, war ich mit Zeit und Rang zufrieden.

Nach zwei weiteren harten Trainingswochen wagte ich einen Start an den 10 Kilometer Schweizermeisterschaften, die dieses Jahr im sankt-gallischen Oberriet auf einer schnellen Strecke ausgetragen wurden. Dieses Mal war uns Läufern Petrus hold, bei nahezu perfektem Wetter fand ich von Beginn an in der Spitzengruppe Unterschlupf. Nach harten 10 Kilometern konnte ich mir in einer neuen persönlichen Bestleistung den zweiten Rang in der Schweizermeisterschaftswertung sichern. Auf den Sieger Jan Hochstrasser verlor ich dabei rund 12 Sekunden. Mit meinem Vereinskameraden vom TV Länggasse konnten wir zudem die Team-Wertung für uns entscheiden.

 

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2. Rang am Bremgarter Reusslauf

Nach vier gelungenen Trainingswochen in Kenia entschied ich mich, am letzten Samstag am Bremgarten Reusslauf teilzunehmen. Der Veranstalter stellte ein starkes Teilnehmerfeld zusammen und der Lauf war sehr gut organisiert. Nur der Temperaturschock war etwas heftig: Konnten wir in Kenia bei angenehmen 15 bis 20 Grad trainieren, stieg das Thermometer in Bremgarten kaum über den Gefrierpunkt. Nichts desto trotz starten wir schnell und liefen die ersten Kilometer in einem Schnitt von etwa drei Minuten pro Kilometer. Als mein äthiopischer Vereinskamerad Mekonen Tefera bei Kilometer neun von elf sein Heil in der Flucht suchte und die Spitzengruppe sprengte, ging es zur Sache: Ich konnte mich allerdings gut über die Runden retten und beendete das Rennen auf dem sehr zufriedenstellenden zweiten Gesamtrang und als bester Schweizer. Anschliessend ging es direkt nach Genf, von wo ich nach Sevilla flog, um am nächsten Tag als Pacemaker im Damenrennen des Marathons eingesetzt zu werden. Nach 42.195 Kilometer in 2 Stunden 32 war mein läuferisches Marathonwochenende dann endlich erfolgreich überstanden. Unten einige Impressionen der letzten Wochen.

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12. Rang am GP Bern

Zum ersten Mal seit zehn Jahren lief ich gestern wieder den Grand Prix von Bern. Nach einer langen Verletzungspause konnte ich leider noch nicht in Topform antreten. Trotzdem genoss ich die sensationelle Stimmung in meiner Heimatstadt allemal. Mit dem 12. Platz erreichte ich ein einigermassen zufriedenstellendes Resultat; mit meinen Vereinskameraden vom TV Länggasse gewannen wir zudem die Teamwertung. Die Motivation für kommende Ziele und harte Trainings ist damit wieder zurück.

Nach einigen Aufbauwettkämpfen im Winter wollte ich in diesem Frühjahr sportlich voll angreifen und alle meine persönlichen Bestleistungen vom Halbmarathon bis zu den 5000m verbessern. Über 10km Strasse gelang mir am 31. Dezember 2016 eine kleine Steigerung meiner Bestleistung um drei Sekunden. Als nächstes wäre ein Angriff auf die Halbmarathonbestzeit an der Reihe gewesen. Mein Coach und ich suchten uns dafür die flache Strecke in Barcelona aus. Ich trainierte in der Vorbereitung hart und war am Tag X bereit. Nach sechs Kilometern spürte ich allerdings einen dumpfen Schmerz im unteren Rücken. Trotzdem dachte in keinem Moment an eine Aufgabe des Rennens, stattdessen kämpfte ich mich unter Schmerzen ins Ziel – ein verhängnisvolles Durchwursteln.

Auf dem Rückflug verstärkten sich die Schmerzen zunehmend. Das ärztlich angeordnete MRI am nächsten Tag bestätigte meine schlimmste Vorahnung; es zeigte eine erneute Stressreaktion (Vorstufe zum Ermüdungsbruch) im Kreuzbein.

Deshalb werde ich leider meinen Schweizermeistertitel im Langcross am kommenden Wochenende nicht verteidigen können. Das schmerzt mich sehr, bin ich doch lediglich zwei Kilometer von der Wettkampfstrecke aufgewachsen. Freunde, Familie und Verwandte freuten sich schon lange, am nächsten Sonntag nach Köniz zu kommen. Nun muss ich Forfait geben. Statt ins Gelände geht es in der nächsten Zeit ins Schwimmbad – zum Alternativtraining.

Europameister!

Unglaublich, was am vergangenen Sonntag in Amsterdam passiert ist. Dank eines Husarenrittes von Tadesse Abraham, Julien Lyon und Adrian Lehmann gewannen wir Schweizer sensationell den Europameistertitel im Halbmarathon – lediglich 2 (!) Sekunden vor Spanien. Da alle Mitglieder der Mannschaft eine Goldmedaille erhielten, darf ich mich nun auch Team-Europameister im Halbmarathon nennen. Dieser Titel wurde nur dank dem sehr starken Auftritt von Julien Lyon möglich. Mit der schwächsten persönlichen Bestleistung aller Schweizer angereist, zeigte er eine tadellose Leistung, dank welcher sich unser Team in der Endabrechnung zuvorderst klassierte.

Mein persönlicher Auftritt in den Strassen Amsterdams war dagegen eher mässig. Von Anfang an hatte ich auf dem coupierten Rundkurs Mühe und kam nicht in Schwung. Am Ende resultierte der 67. Rang unter 92 Gestarteten und die Gewissheit, viel Grossanlasserfahrung geschnuppert zu haben. Trotzdem wird mir Amsterdam für immer in positiver Erinnerung bleiben – Europameister wird man eben nicht alle Tage!

Die Siegererhung findet sich hier:

http://www.srf.ch/play/tv/sportlive/video/halbmarathon-team-ist-europameister?id=9f4f55f5-2f75-4218-85f2-d7b7cbf9f5bd

Amsterdam 12

Bronze über 10’000m

An den Schweizermeisterschaften über 10’000m in Thun gelang mir ein gutes Rennen. Mit 29:56.66 lief ich am Samstagabend die zweitschnellste Zeit meiner Karriere. Die Bronzemedaille war der wohlverdiente Lohn für ein hartes Rennen über 25 Bahnrunden. Der ausser Konkurrenz laufende Portugiese Bruno Albuquerque gewann das Rennen vor Adrian Lehmann und Julien Lyon. Zusammen mit meinen Trainingspartnern reiste ich direkt von St. Moritz nach Thun, wo wir gute Bedingungen vorfanden. Im vorangehenden vierwöchigen Höhentrainingslager hatte ich zusammen mit Adrian Lehmann, Andreas Kempf, Michael Ott und Christian Kreienbühl sehr gut trainiert. Die Stimmung in der Gruppe war einzigartig und motivierte uns tagtäglich, auch bei regnerischem Wetter hart an uns zu arbeiten.

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Auf dem Weg zur Bronzemedaille (Foto: Athletix.ch/Ulf Schiller)

Aller guten Dinge sind drei

Nach zwei erfolglosen Anläufen in Barcelona und Berlin gelang mir am vergangenen Samstag an den Deutschen Halbmarathon Meisterschaften endlich der lange erhoffte Befreiungsschlag. Mit 1:05:26 unterbot ich die geforderte Limite für die Europameisterschaften in Amsterdam und verbesserte damit meine persönliche Bestleistung um über eine Minute. Endlich konnte ich mein Leistungsvermögen im Wettkampf abrufen. Ich bin unendlich glücklich, die buchstäblich letzte Chance genutzt zu haben und freue mich auf meine ersten kontinentalen Titelkämpfe.

Der Weg zu dieser Qualifikation war allerdings ein langer und beschwerlicher. Besonders nach dem zweiten gescheiterten Angriff auf die Limite in Berlin zweifelte ich an meinen Fähigkeiten. Nur dank der unermüdlichen Unterstützung meines Umfelds liess ich mich dazu bewegen, einen dritten und letzten Versuch zu unternehmen. Ich wusste, dass ich schnell laufen kann und spätestens beim letzten Rennen innerhalb der Selektionsperiode konnte ich nur noch gewinnen. Dass es nun doch noch geklappt hat, ist eine absolut geniale Sache.

Schweizermeister

Nachdem ich mich vor drei Wochen kurz vor dem Halbmarathon in Barcelona erkältet hatte und deshalb meinen Erwartungen nicht gerecht werden konnte, startete ich gestern an der Cross Schweizermeisterschaft in Benken. Mein erster Crosslauf seit drei Jahren sollte eine eisige und kalte Angelegenheit werden. Trotzdem fühlte ich mich auf dem tiefen Boden wohl und hatte von Beginn weg ein sehr gutes Gefühl. Als ich nach etwa sechs Kilometer alleine an der Spitze lag, wusste ich, dass es zu meinem ersten Schweizermeistertitel reichen sollte. Auf einer selektiven Strecke lief ich die letzten Kilometer vorne weg und konnte nach 35 Minuten die Ziellinie überglücklich als Erster überqueren.

San Silvestre Vallecana 2015

Nach einem geglückten Start im Jahr 2014 bestritt ich auch an diesem Jahresende den hochkarätig besetzten Silvesterlauf in Madrid. Die Ambiance war erneut klasse, die Bedingungen bei etwa 10 Grad Celsius optimal und mit Mike Kigen, Ezekiel Kemboi und Evan Jager waren einige der weltweit besten Läufer am Start. Das Rennen über 10 Kilometer sollte mir meinen Formstand aufzeigen und Anhaltspunkte für die nächsten Trainingswochen liefern. Freilich war der Start in Madrid aber auch eine Motivationsspritze während des harten Wintertrainings. Zuvor war ich in Bulle und Genf zwei Stadtläufe gelaufen, die beide erfreulich verliefen.
Der Start in Madrid erfolgte abends um 19 Uhr 50. Nach einem schnellen ersten Kilometer fand ich in der dritten Gruppe meinen Platz. Vorne lief Kigen ein einsames Rennen, das er in 27:35 gewann; dahinter formte sich bald eine Verfolgergruppe mit den besten Spaniern. Die ersten drei Kilometer lief ich zusammen mit Jager, ehe er mich buchstäblich stehen liess und nach vorne stürmte. So lief ich die zweite Hälfte des Rennens vorwiegend alleine und kam nach 30 Minuten und 20 Sekunden erschöpft ins Ziel. Mit der Endzeit bin ich zufrieden, sie entspricht meiner schnellsten Zeit über 10 Kilometer Strasse. Damit erreichte ich in der Endabrechnung den guten 17. Rang. Der Fahrplan in Richtung Halbmarathon Europameisterschaft stimmt damit, obwohl noch einige Wochen mit harter Arbeit auf mich warten.

Madrid