We Run Mad!

„We Run Mad“ – Mit diesem Motto wirbt einer der grössten Silvesterläufe der Welt um Teilnehmer und erfreut sich damit grosser Popularität. Die „San Silvestre Vallecana“ feierte dieses Jahr die 50. Austragung und war ein Lauffest der Superlative. Gegen 40’000 Teilnehmer liefen die zehn Kilometer durch die weihnachtlich geschmückten Strassen Madrids und wurden von einer lautstarken Zuschauermasse angefeuert.

Ich wurde dieses Jahr zum ersten Mal in die spanische Metropole eingeladen und nutzte diese Möglichkeit zu einer Formprüfung. Nach einem schwierigen Jahr mit zwei Stressreaktionen und einer Schleimbeutelentzündung im linken Knie befinde ich mich mittlerweile wieder auf dem Leistungsstand wie vor den Verletzungen. Das Wettkampfjahr 2013/2014 zeigte mir, dass es im Leistungssport nicht immer nur aufwärts gehen kann. Häufig bewegt man sich auf einem engen Grat, mit tiefen Tälern auf beiden Seiten. In Madrid konnte ich zeigen, dass sich meine Form immer besser entwickelt und die vielversprechenden Trainings der letzten Wochen bestätigten sich während des Laufes. Nach einem verhaltenen Start konnte ich insbesondere auf der zweiten Streckenhälfte Plätze gut machen und beendete das international sehr stark besetzte Rennen auf dem 21. Gesamtrang. Die Zeit von 30 Minuten und 40 Sekunden ist respektabel und stellt unter den vorherrschenden Bedingungen einen Schritt in die richtige Richtung dar. Wenn man bedenkt, dass ich aufgrund des starken Schneefalls in Zürich erst am Wettkampftag anreisen konnte, so schätze ich die Leistung in Madrid als gut ein. Ein Video von Marca.com gibt einen kurzen Einblick in die Ambiance, die am Silvesterabend in Madrid herrschte. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes neues Jahr!

Geplatzte Träume

Aufgrund einer hartnäckigen Schleimbeutelentzündung im linken Knie muss ich in diesem Frühjahr schweren Herzens auf einen Marathonstart verzichten. Damit verfällt meine letzte Chance, mich für das Marathon-Team anlässlich der Heim-EM in Zürich zu empfehlen. Der Entscheid eines Verzichts ist mir alles andere als leicht gefallen und schmerzt sehr. Trotzdem glaube ich, dass es die langfristig sinnvollste Entscheidung für den weiteren Verlauf meiner sportlichen Karriere ist. Über das letzte Jahr hatte die Marathonvorbereitung höchste Priorität in meinem Leben und ich habe alles versucht, den Traum von Zürich 2014 wahrzumachen. Dass man im Langstreckenlauf aber nichts erzwingen kann, muss ich im Moment schmerzhaft erfahren.

Höhentraining in Kenia

Bereits zum dritten Jahr in Folge durfte ich diesen Februar vier Wochen im kenianischen Iten trainieren. Während meiner Anwesenheit feilten klingende Namen wie der britische Doppelolympiasieger und Weltmeister Mo Farah, der zweifache Weltmeister Abel Kirui oder etwa der Marathonweltrekordhalter Wilson Kipsang im kleinen Städtchen hoch über dem Kerio Valley an ihrer Form. Begegnungen mit solchen Weltklasseläufern motivieren nicht nur beim täglichen Training, sondern helfen auch, die langfristige Motivation zu halten und jeden Tag hart an sich zu arbeiten.
Obwohl ich während zweier Tage durch Krankheit nicht trainieren konnte, vermochte ich vor allem im marathonspezifischen Bereich neue Akzente zu setzen. Läufe von 35 bis 38 Kilometern Länge mit Endbeschleunigung waren ein wöchentlicher Bestandteil meines Trainingsplanes. Dabei konnte ich fast täglich auf die Hilfe meiner deutschen und österreichischen Läuferkameraden zählen, die im selben Camp wie ich untergebracht waren.

Frankfurt Marathon

„Vom Winde verweht“ – so lautet in etwa das Fazit meines ersten Versuches über die klassische Marathondistanz. Windspitzen von bis zu 50 Stundenkilometer stellten wahrlich keine Topbedingungen dar; nichts desto trotz kämpfte ich mich im Windschatten meines Edel-Pacemakers Johnny Morgenthaler wacker über die ersten Kilometer. 16.32 nach 5 respektive 33.12 nach 10 Kilometern passten mit dem aufgestellten Marschplan überein und fühlten sich locker an. Doch von da an hatten wir den Gegenwind voll im Gesicht und verloren von Meter zu Meter an Boden. Mit 1:10 beim Halbmarathon waren wir noch einigermassen im Rahmen, leider begann es dann zu regnen und ich hatte in der Folge zeitweilig mit Seitenstechen zu kämpfen. Von Kilometer 30 an wurde es dann sehr hart und obwohl Aufgeben nicht mein Ding ist, war ich nach 35 Kilometern an einem Punkt angelangt, wo eine Fortsetzung meines Laufes keinen Sinn mehr gemacht hätte.

Leider verunmöglichten mir heftige Magenprobleme ein erfolgreiches Abschneiden an der Sommer-Universiade in Kasan im vergangenen Juli. Doch mit dem dritten Rang am Engadiner Sommerlauf und dem gestrigen Gewinn der Silbermedaille an der Halbmarathon-Schweizermeisterschaft konnte ich wieder mein gewohntes Leistungsvermögen abrufen.

Die nationalen Titelkämpfe über 21.1km waren heuer in den internationalen Greifenseelauf integriert. Bei warmen Temperaturen gelang mir ein ansprechendes Rennen; erst auf dem letzten Viertel musste ich den WM-Teilnehmer und späteren Goldmedaillengewinner Christian Kreienbühl ziehen lassen, der 11 Sekunden vor mir das Ziel in Uster erreichte. Nachdem ich bereits vor zwei Jahren in Lausanne über dieselbe Distanz in ähnlich knapper Entscheidung Zweiter wurde, hätte ich mir dieses Jahr sehr gerne den Titel gesichert. Nichts desto trotz bin ich mit meiner Leistung zufrieden und freue mich auf das bevorstehende Herbsttraining.

Podest Halbmarathon SM (c) by PHOTOPRESS/Alexandra Wey

Podest Halbmarathon SM (c) by PHOTOPRESS/Alexandra Wey

Eine in diverser Hinsicht anstrengende Zeit neigt sich für mich langsam dem Ende zu. Nachdem ich das letzte halbe Jahr über intensiv an meiner Masterarbeit gearbeitet habe, konnte ich diese in der vergangenen Woche abgeben. Damit schloss ich mein Studium in der Regelstudienzeit von fünf Jahren ab. Auch in sportlicher Hinsicht ging in den vergangenen Wochen einiges: Anfangs Juni bestritt ich im holländischen Wageningen einen Wettkampf über 10’000m. Leider missglückte mir dieser, die kombinierte Herausforderung aus Abschlussprüfungen und Masterarbeit belasteten mich wohl mehr, als ich es mir im Vorfeld eingestehen wollte. Nur drei Tage später lief ich anlässlich der Schweizerischen Vereinsmeisterschaft für die LG Bern die 3000m und konnte so wertvolle Punkte zu unserem SM-Titel-Gewinn beisteuern. Am letzten Sonntag testete ich am Aletsch-Halbmarathon meine Form und konnte mit dem zweiten Rang ein erfreuliches Resultat erzielen. Zudem wurde ich anfangs Juni vom Schweizerischen Hochschulsportverband für die Universiade in Kasan selektioniert, wo ich am 12. Juli den Halbmarathon bestreiten werde.

Bronze über 10 Kilometer

Mit beinahe einer halben Minute Vorsprung auf meine Bestleistung aus dem Jahre 2010 gewann ich an der diesjährigen 10km Strassenlauf-Schweizermeisterschaft die Bronzemedaille. Auf einer schnellen Strecke konnte ich von Beginn an einen guten Rhythmus laufen und es gelang mir, nach diversen erfolglosen Versuchen in der letzten Runde Ruedi Wild hinter mir zu lassen. Mit meinem Rennen bin ich sehr zufrieden, es war dies ein weiterer gelungener Schritt vorwärts in Richtung Bahnsaison. Mit der LG Bern konnten wir zudem die Team-Wertung für uns entscheiden. Ich gratuliere allen Finishern, insbesondere Michael Ott zum Schweizermeistertitel, Christian Kreienbühl zum zweiten Platz und Tadesse Abraham zu einer hervorragenden Zeit!

(c) by athletix.ch

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Bestleistung über 21.1km

Beim Roma-Ostia Halbmarathon in der italienischen Hauptstadt gelang es mir, eine neue persönliche Bestleistung aufzustellen. Damit unterbot ich die Limite für die Universiade, die anfangs Juli in Russland ausgetragen wird. Nach diversen administrativen Umtrieben war es alles andere als einfach, mich zielgerecht auf das Rennen vorzubereiten. Dessen ungeachtet blieb ich ruhig und fokussierte mich so gut wie möglich auf meinen ersten Halbmarathon des Jahres. Mit 1.06:54 lief ich hinter Viktor Röthlin die zweitschnellste Schweizer Zeit dieses Jahres, was mich zuversichtlich hinsichtlich der nächsten Rennen stimmt. Roma-Ostia war der erste wichtige Wettkampf der Saison 2013; weitere werden folgen.

CISM Cross Lausanne

Beim CISM Cross-Vergleichswettkampf in Lausanne gelang mir mit dem neunten Rang in der Gesamtwertung eine ansprechende Leistung. Leider baute ich in der letzten der acht Runden zu je einem Kilometer etwas ab, dies wahrscheinlich aufgrund der Müdigkeit nach vier harten Trainingslagerwochen und dem grossen Temperaturunterschied zu Kenia. Erfreulicherweise konnten wir die militärische Team-Wertung vor Schweiz zwei, Belgien und Luxemburg gewinnen.

(c) by athletix.ch

Impressionen aus Kenia

Mit „How are you Mzungu?” grüssen etliche Kinder uns weisse Läufer vom Strassenrand wenn wir unsere Kilometer im kenianischen Hochland abspulen. Dabei kann es auch mal vorkommen, dass man im Vorbeilaufen nach Schuhen, T-Shirts, Geld oder sogar Uhren gefragt wird; für viele Kenianer und Kenianerinnen scheint der weisse Mann noch immer mit Stereotypen wie reich oder wohlhabend verbunden.

Knapp vier Wochen trainierte und lebte ich mit meiner Trainingsgruppe im kleinen Städtchen Iten auf etwa 2‘400 Meter über Meer. Die Höhenlage, angenehme Temperaturen, schönes Wetter und zahlreiche Trainingspartner machen Iten zu einem vorzüglichen Trainingsort. Bei Ankunft und Abschied werben zwei grosse Banner mit der Aufschrift „Home of Champions“, was auf die vielen vorwiegend kenianischen Weltklasseläufer anspielt, die in diesem kleinen Ort trainieren. Unten einige Impressionen aus Kenia.

Iten 2013